Zum Inhalt springen

Ratgeber

Radmuttern nachziehen nach dem Reifenwechsel

Nachziehen ist Pflicht, kein Mythos: So vermeiden Sie lockere Radschrauben, nutzen das Kreuzschema richtig und arbeiten mit dem vorgeschriebenen Drehmoment.

Wann muss man Radmuttern nachziehen?

Nach jedem Reifen- oder Radwechsel die Radschrauben nach 50 bis 100 km einmal nachziehen – über Kreuz und mit dem Drehmoment aus dem Handbuch. Gilt für Stahl- und Alufelgen gleichermaßen. Ein dauerhaftes, wiederholtes Nachziehen ist danach nicht nötig.

Alle Fragen zum Nachziehen
nach 50 km
spätestens 50–100 km

Warum nachziehen?

Radschrauben (Schrauben mit festem Kopf) und Radmuttern (Mutter auf der Radbolzen) halten das Rad an der Nabe. Beim ersten Fahren nach dem Montieren wirken dynamische Kräfte: Bremsen, Kurven, Unebenheiten. Dadurch kann sich die Verbindung minimal setzen – das spürbare Drehmoment sinkt leicht, ohne dass Sie es ohne Messung merken.

Ein kontrolliertes Nachziehen mit dem Drehmomentschlüssel stellt den vom Hersteller vorgegebenen Anzug wieder her. So bleibt die Kraft gleichmäßig auf der Radnabe verteilt und die Befestigung bleibt dauerhaft sicher.

Radmuttern über Kreuz mit dem Drehmomentschlüssel nachziehen
Symbolbild · KI-generiert · © Drehmoment-Schluessel.de

Radmuttern mit eingestelltem Drehmoment nachziehen – über Kreuz, nie reihum.

Sicherheit

Lockere oder ungleich festgezogene Radbefestigungen können zu Fahrverhaltenstörungen, erhöhtem Verschleiß und im Extremfall zum Radverlust führen. Nachziehen ersetzt keine regelmäßige Kontrolle – bei Unsicherheit immer messen, nicht „handfest“ raten.

Wann nachziehen?

Standard nach jedem Reifenwechsel oder Radtausch: innerhalb der ersten 50–100 km nachstellen. Viele Hersteller nennen einen konkreten Kilometerbereich – im Zweifel die Betriebsanleitung beachten.

Zusätzlich lohnt sich eine Kontrolle nach starken Erschütterungen, wenn Sie untypische Geräusche hören oder nach längerer Standzeit vor großen Fahrten. Der Satz, den Sie gerade abmontiert haben, gehört übrigens sauber und richtig gelagert – wie das geht, steht in unserem Ratgeber Reifen einlagern. Für Stahl- und Alufelgen gilt dieselbe Vorgehensweise; entscheidend ist das vorgeschriebene Drehmoment, nicht die Felgenart allein.

Merksatz

Nach dem Radwechsel: erst einmal normal fahren, dann im genannten Kilometerfenster nachziehen – nicht vor dem ersten Gebrauch „zusätzlich festziehen“ ohne Messung.

Schritt-für-Schritt

So gehen Sie strukturiert vor – von der Vorbereitung bis zum dokumentierten Drehmoment:

1

Stand & Sicherheit

Fahrzeug auf festem, ebenem Untergrund abstellen, Wegrollen verhindern (Gang, Handbremse). Bei Bedarf Radkeile verwenden.

2

Drehmoment ermitteln

Wert aus Handbuch oder Alufelgen/ Stahlfelgen-Übersicht. Schlüssel auf diesen Wert einstellen ( Anleitung Einstellen).

3

Über Kreuz nachziehen

Jede Schraube oder Mutter im Kreuzschema bis zum Klicken des Schlüssels anziehen – nicht mit dem Radkreuz „nachfestziehen“.

4

Kontrolle

Alle Positionen einmal prüfen. Reifendruck nach Herstellerangabe prüfen – siehe auch Reifenwechsel-Anleitung.

Ihr Drehmoment in 2 Klicks

Marke und Modell wählen – Sie erhalten sofort das Anzugsdrehmoment für Alufelgen. In den Listen können Sie auch tippen, um zu filtern.

Richtwert ohne Gewähr – verbindlich ist die Vorgabe des Fahrzeugherstellers.

Alle Werte in der Tabelle

Verbindlich ist immer die Vorgabe im Bordbuch Ihres Fahrzeugs; die Werte hier sind Richtwerte ohne Gewähr. Die vollständigen Tabellen finden Sie unter Drehmoment Alufelgen und Drehmoment Stahlfelgen – zum Nachziehen gilt derselbe Wert wie beim ersten Anziehen.

Über-Kreuz-Reihenfolge (Kreuzschema)

Beim Anziehen und Nachziehen vermeiden Sie, die Felge verzogen auf die Nabe zu pressen: Ziehen Sie nicht der Reihe nach im Kreis, sondern immer die diagonal gegenüberliegende Befestigung als Nächstes fest. So verteilt sich die Pressung gleichmäßig.

Bei vier Löchern entspricht das einem X: etwa von oben links zu unten rechts, dann oben rechts zu unten links – danach die verbleibenden Schrauben im selben diagonalen Muster. Bei fünf Schrauben arbeiten Sie sternförmig über die Mitte hinweg (jeweils zwei gegenüberliegende Punkte im Wechsel, bis alle einmal mit vollem Drehmoment sitzen).

Lösen erfolgt sinngemäß ebenfalls kreuzweise, damit keine Schraube dauerhaft unter hoher Spannung steht, während die gegenüberliegende Seite schon locker ist.

Kurz erklärt

Kreuzschema = gleichmäßige Auflage der Felge auf der Radnabe, kein „Eiern“ der Scheibe. Gilt für erstes Anziehen und für das Nachziehen gleichermaßen.

Häufige Irrtümer beim Anziehen und Nachziehen

Die Missverständnisse, die uns in Werkstattforen am häufigsten begegnen – richtiggestellt nach Norm und Herstellerangabe.

  • „Nach dem Klick noch einmal nachziehen – sicher ist sicher."

    Falsch – und der häufigste Fehler überhaupt. Der Schlüssel begrenzt die Kraft nicht, er signalisiert sie nur. Jeder weitere Zug löst erneut aus und bringt zusätzliches Moment auf. Einmal auslösen, sofort stoppen.

  • „Ein bisschen Öl am Gewinde schadet nicht."

    Doch. Das Anzugsmoment wird zum größten Teil von der Reibung verbraucht – geschmiert erreicht dieselbe Nm-Angabe eine deutlich höhere Vorspannkraft und kann die Schraube überdehnen. Anzugsmomente gelten für saubere, trockene Gewinde, sofern der Hersteller nichts anderes vorgibt (VDI 2230 rechnet mit definierten Reibwerten).

  • „Erst mit dem Schlagschrauber festziehen, dann mit dem Drehmomentschlüssel kontrollieren."

    Gefährlich. Ist die Schraube bereits über dem Sollmoment angezogen, löst der Drehmomentschlüssel gar nicht mehr aus – er „bestätigt" einen zu hohen Wert, ohne etwas zu messen. Der Schlagschrauber darf nur zum Lösen und zum losen Vorziehen dienen.

Zwei Irrtümer speziell zum Nachziehen

  • „Mit dem Drehmomentschlüssel kann ich die Radschrauben auch lösen.“

    Nein. Der Drehmomentschlüssel ist ein Messwerkzeug zum Anziehen. Beim Lösen wirken deutlich höhere Kräfte als das eingestellte Auslösemoment – das belastet die Mechanik und kann die Anzeige dauerhaft verstellen. Zum Lösen gehören Radkreuz, Knarre oder Schlagschrauber.

  • „Radmuttern muss man ständig, am besten vor jeder Fahrt, nachziehen.“

    Das ist nicht nötig. Vorgesehen ist ein einmaliges Nachziehen nach 50 bis 100 km nach dem Rad- oder Reifenwechsel. Sitzen die Schrauben dann korrekt auf dem Sollmoment, bleiben sie fest. Wiederholtes „Sicherheitsnachziehen“ bringt bei jedem Auslösen zusätzliches Moment auf die Verbindung.

Empfohlene Werkzeuge

Für typische Pkw-Radmomente (oft rund 100–130 Nm, fahrzeugabhängig) eignet sich ein 1/2-Zoll-Drehmomentschlüssel mit ausreichendem Messbereich. Kombinieren Sie ihn mit der passenden Nussgröße – Details und Modelle im Vergleich.

  • Mit Prüfschein – Werkseitiger Prüfschein im Lieferumfang – dokumentiert den Auslieferungszustand.
HAZET 5121-2CT
Hazet HAZET 5121-2CT
1/2" 20–120 Nm
Bei Amazon ansehen
  • Für Radschrauben – Die Skala deckt das typische PKW-Radschraubenmoment (ca. 120 Nm) mittig ab – dort misst der Schlüssel am genauesten.
  • Mit Prüfschein – Werkseitiger Prüfschein im Lieferumfang – dokumentiert den Auslieferungszustand.
HAZET 5122-2CT
Hazet HAZET 5122-2CT
1/2" 40–200 Nm
Bei Amazon ansehen
  • Für Radschrauben – Die Skala deckt das typische PKW-Radschraubenmoment (ca. 120 Nm) mittig ab – dort misst der Schlüssel am genauesten.
  • Mit Prüfschein – Werkseitiger Prüfschein im Lieferumfang – dokumentiert den Auslieferungszustand.
HAZET 5123-3CT
Hazet HAZET 5123-3CT
1/2" 60–320 Nm
Bei Amazon ansehen

Tipp: Kein Schlagschrauber zum finalen Anziehen – das Drehmoment ist nicht reproduzierbar. Zum Lösen kann ein Impulsschrauber sparen, Festziehen nur mit Kalibrierung.

Anzugsreihenfolge: immer über Kreuz

Radschrauben werden nie reihum, sondern immer diagonal gegenüberliegend angezogen – so zentriert sich die Felge und liegt plan auf der Nabe auf. Der rote Pfad zeigt die Reihenfolge, 1 ist der Start.

1 3 2 4
4 Loch viele Kleinwagen
1 4 2 5 3
5 Loch die häufigste PKW-Variante
1 3 5 2 4 6
6 Loch Transporter & SUV

So geht's: Alle Schrauben zuerst handfest über Kreuz vorziehen, dann in der gezeigten Reihenfolge mit dem Drehmomentschlüssel auf den vorgeschriebenen Nm-Wert anziehen – niemals mit dem Schlagschrauber final festziehen. Nach 50–100 km nachziehen.

Passender Drehmomentschlüssel für diesen Bereich

Für PKW-Radschrauben (meist 100–140 Nm) eignen sich 1/2-Zoll-Schlüssel, die diesen Bereich mittig abdecken – dort ist die Messgenauigkeit am höchsten.

  • Für Radschrauben – Die Skala deckt das typische PKW-Radschraubenmoment (ca. 120 Nm) mittig ab – dort misst der Schlüssel am genauesten.
  • Mit Prüfschein – Werkseitiger Prüfschein im Lieferumfang – dokumentiert den Auslieferungszustand.
HAZET 5122-2CT
Hazet HAZET 5122-2CT
1/2" 40–200 Nm
Bei Amazon ansehen
  • Für Radschrauben – Die Skala deckt das typische PKW-Radschraubenmoment (ca. 120 Nm) mittig ab – dort misst der Schlüssel am genauesten.
  • Mit Prüfschein – Werkseitiger Prüfschein im Lieferumfang – dokumentiert den Auslieferungszustand.
GEDORE DMK 200
Gedore GEDORE DMK 200
1/2" 40–200 Nm
Bei Amazon ansehen
  • Für Radschrauben – Die Skala deckt das typische PKW-Radschraubenmoment (ca. 120 Nm) mittig ab – dort misst der Schlüssel am genauesten.
  • Mit Prüfschein – Werkseitiger Prüfschein im Lieferumfang – dokumentiert den Auslieferungszustand.
PROXXON 23353 MC200
Proxxon PROXXON 23353 MC200
1/2" 40–200 Nm
Bei Amazon ansehen

Auswahl nach Skalenlage (Zielwert möglichst in der Skalenmitte). Alle Modelle im Drehmomentschlüssel-Vergleich. Produktlinks zu Amazon (Affiliate).

Häufige Fragen zum Radmuttern-Nachziehen

Warum sollte man Radmuttern nachziehen?

Nach dem Anziehen setzen sich Radbefestigungen unter Last: Felge, Radnabe und Schrauben „arbeiten“ gegeneinander. Dadurch kann das effektive Drehmoment leicht sinken. Regelmäßiges Nachziehen auf den Herstellerwert stellt den sicheren Sitz wieder her und verhindert Spiel – das ist keine Gewohnheit, sondern eine sicherheitsrelevante Pflicht nach jedem Radwechsel.

Wann sollte man die Radmuttern nachziehen?

Hersteller und Werkstätten empfehlen übereinstimmend: spätestens nach 50 bis 100 Kilometern nach Reifen- oder Radwechsel. Die gleiche Regel gilt für Stahl- und Alufelgen. Bei auffälligen Geräuschen oder nach harten Einsätzen (Schlagloch, starkes Bremsen) zusätzlich prüfen.

Wie oft muss man Radmuttern nachziehen?

Grundsätzlich einmal nach jedem Rad- oder Reifenwechsel – nach 50 bis 100 km. Ein dauerhaftes, wiederholtes Nachziehen ist nicht nötig: Sitzen die Schrauben bei dieser ersten Kontrolle fest, bleiben sie fest. Nur bei neuen Radschrauben oder nach erneuten Arbeiten am Rad noch einmal prüfen.

Wer haftet, wenn sich nach dem Reifenwechsel ein Rad löst?

Wurde in einer Werkstatt gewechselt, haftet bei fehlerhafter Montage in der Regel die Werkstatt. Beim Selbstwechsel trägt der Fahrer die Verantwortung – deshalb sind das Anziehen mit korrektem Drehmoment und die Kontrolle nach 50 km so wichtig. Im Schadensfall zählt die Einhaltung der Herstellervorgaben; ein kalibrierter Drehmomentschlüssel ist hier auch ein Nachweis der Sorgfalt.

Kann das Rad einfach abfallen, wenn die Muttern locker sind?

Ein Rad „fällt nicht plötzlich ab“: Zuerst treten oft Vibrationen oder rhythmische Klopfgeräusche auf. Das ist ein Warnsignal – nicht weiterfahren. Fahrzeug sicher abstellen, Radmuttern prüfen und bei Unsicherheit Pannenhilfe oder Werkstatt hinzuziehen. Fahren mit spürbarem Spiel ist lebensgefährlich.

Worauf muss man beim Nachziehen achten?

Fahrzeug standsicher (eben, erster Gang/„P“, Handbremse), Rad möglichst mit vollem Gewicht auf dem Boden. Immer über Kreuz anziehen, nie kreisförmig der Reihe nach. Drehmomentschlüssel auf den Wert aus dem Fahrzeughandbuch oder unsere Tabellen einstellen – kein Schlagschrauber zum Festziehen. Der Startpunkt am Rad ist egal, wichtig ist die diagonale Reihenfolge.

Weiterführende Ratgeber

Quellen und Normen (Anzugsmoment, Reibung, Drehmomentschlüssel) anzeigen